Medienmitteilung der AEROPERS-SwissALPA vom 27. Mai 2013
Heute haben die vom Swiss Management initiierten Verhandlungen mit den Pilotenverbänden über die Zusammenlegung der Firmen Swiss International und Swiss European begonnen. Es gilt die anstehenden Herausforderungen der Einführung von neuen Flotten sowie die Eröffnung einer Crewbase in Genf zu meistern.
„AEROPERS ist überzeugt, dass die heute beginnenden Verhandlungen für die Zusammenlegung von Swiss International und Swiss European sinnvoll sind“, sagt Captain Markus Grob, Präsident der AEROPERS. Für die Zukunft der Swiss sei es entscheidend, dass die Einführung der neuen C-Series und Boeing B777 zusammen mit den Pilotenverbänden angegangen werden könne. Die Einführung der neuen Flugzeuge und die dadurch zahlreich anstehenden Umschulungen seien solch grosse Herausforderungen, dass der sichere Flugbetrieb nur zusammen mit AEROPERS und IPG gewährleistet werden könne. Die reibungslose Einführung der neuen Flugzeuge sei die Grundlage für die Zukunft einer erfolgreichen Swiss. Dies sei für die Piloten mindestens so wichtig wie für das Management, denn die Piloten seien auf Grund des Senioritätsprinzips ein ganzes Arbeitsleben an die Swiss gebunden und verliessen die Firma, im Gegensatz zu Managern, für gewöhnlich erst mit der Pensionierung.
„Wir werden mit grossem Engagement versuchen, die verschiedenen Interessen zu berücksichtigen und so die Verhandlungen zum Erfolg zu führen. Zu einem Erfolg für die Piloten und die Swiss und somit für alle Mitarbeiter der Swiss und der Firmen, welche vom Erfolg der Swiss abhängig sind“, so Grob weiter.
Sicherheitsexperten kritisieren Gesetzesvorschlag der Europäischen Flugsicherheitsagentur (EASA) zu neuen Flugdienstzeitregelungen
Das European Transport Safety Council (ETSC) mahne die Entscheidungsträger der EU, ein Befürworten des Gesetzesvorschlags der EASA für neue Flugdienstzeiten sorgfältig zu überdenken. In ihrem jüngsten Positionspapier hinterfragten die Sicherheitsexperten der ETSC die unvollständige Berücksichtigung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in den Flugdienstzeitregelungen.Der ETSC begrüsse, dass die EASA mit dem Vorschlag der neuen Flugdienstzeitregelungen versuche Übermüdung von Flugbesatzungen vorzubeugen. Trotzdem üben die Experten Kritik daran, dass der Gesetzesvorschlag zu kompliziert sei und nicht nachhaltig die wissenschaftlichen Empfehlungen intensiver Untersuchungen umsetze. Bei langen Dienstzeiten sei die Anzahl von Starts und Landung unzureichend begrenzt und die wissenschaftliche Empfehlung Nachtflüge mit nur zwei Piloten von 11 Stunden auf 10 Stunden zu begrenzen, sei nicht umgesetzt worden. Ebenso sei man unzufrieden über die vorgeschlagenen Bestimmungen bezüglich Bereitschaftsdienst.
Das Positionspapier des ETSC basiere auf Empfehlungen von wissenschaftlichen Experten, welche sich intensiv mit Übermüdung von Flugbesatzungen auseinandergesetzt habe und den Autoren der Studie, welche die EASA selbst in Auftrag gegebenen habe. Neben den erwähnten Punkten erklären die Experten des ETSC, dass diese Studie viel zu spät von der EASA in Auftrag gegeben worden sei und jetzt teilweise ignoriert würde. Viele der Empfehlungen würden von den Entscheidungsträgern nicht ausreichend verstanden.
Die neuen Flugdienstzeitregelungen würden auch im nicht-EU Land Schweiz gelten. Im Interesse der Sicherheit für Flugzeugbesatzungen aber auch der Passagiere, unterstütze AEROPERS-SwissALPA den Europäischen Pilotenverband (ECA) und fordere eine Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Gesetzesvorlage.
Hohmeister übernimmt Zusatzposten bei der Lufthansa
Nach dem Hin und Her zur Kandidatur von Wolfgang Mayrhuber als Aufsichtsratsvorsitzender gab es heute eine für die Swiss und somit für deren Mitarbeiter bedeutendere Mitteilung. Der zumindest teilweise Weggang von CEO Harry Hohmeister in die Konzernzentrale der Lufthansa AG nach Frankfurt löst beim Pilotenverband AEROPERS gemischte Gefühle aus.
"Ob ein Doppelmandat für einen Posten in Zürich und einen in Frankfurt für Harry Hohmeister zu bewältigen ist, wird sich zeigen. Es lässt allerdings Zweifel aufkommen, ob er jeder Aufgabe die notwendige Aufmerksamkeit zukommen lassen kann. " Derzeit sei man mit dem Swiss Management in Gesprächen, durch Zusammenführung von Swiss International und Swiss European unnötige Doppelspurigkeiten abzubauen und Synergien zu nutzen. Dabei brauche es verlässliche Partner und damit auch verlässliche Personen. Hier mache man sich Sorgen, wie langfristig noch mit Herrn Hohmeister als CEO zu rechnen sei.
Lufthansa und damit auch die Swiss führen derzeit trotz Gewinnen in 2012 ihr massives Sparprogramm "SCORE" durch, welches 1,5 Mrd. EUR einsparen solle. "Es ist natürlich verständlich, das jeder Stein im Konzern umgedreht wird um Einsparpotential zu erkennen. Dass die Swiss hier ähnlich vorgeht ist selbsterklärend,“ sagt Markus Grob, Präsident der AEROPERS. Es ist jedoch nicht die Lösung die Einsparungen immer vom Personal zu verlangen. Das ist zwar rechnerisch einfach, wirkt sich langfristig aber negativ aus", so Grob weiter. Eine vorausschauende und langfristige Führung sei für Unternehmen eine Grundvoraussetzung. Im Management Board der Swiss habe es in der jüngeren Vergangenheit viele Wechsel gegeben. Man hoffe nun auf Seiten der AEROPERS, dass auch hinsichtlich der Karriereplanung von Herrn Hohmeister Klarheit herrschen wird und damit wieder Ruhe in der Führung des Unternehmens einkehrt. Als Pilot sei man die ganze Karriere an seine Firma gebunden und trage somit die ganze Zeit auch Mitverantwortung für das Wohl (und Wehe) des Unternehmens. Dies sei bei Managern naturgemäss anders.
Zuverlässig und sicher für 9 CHF – wie viel darf ein Pilot kosten?
Der Kostendruck in der Airlinebranche würde zur Gefahr für die Flugsicherheit. Gründe für schwindende Gewinne der Europäischen Airlines lägen nicht in den Kosten der Piloten, sondern in schwierigen politischen Rahmenbedingungen und hohen Treibstoff- und Flugnebenkosten.
In den letzten Tagen sei der Eindruck entstanden, als wenn es nur einen Grund für die schwindenden Gewinne der Europäischen Airlines gäbe – die Kosten der Piloten. „Ein Passagier bezahlt bei der Swiss im Durchschnitt zwischen 5 und 9 CHF pro Pilot pro Flug“, sagt Thomas Steffen, Pressesprecher des Pilotenverbandes AEROPERS. „Ist das zu viel für einen zuverlässigen Piloten?“
Oft würden die Billigairlines als Vorbilder für günstige Kostenstrukturen genannt. Die Kosten für einen Piloten der sogenannten Lowcost-Airlines seien jedoch zum Teil höher als bei den traditionellen Fluggesellschaften im Europaverkehr. SWISS Piloten würden teilweise zu niedrigeren Kosten als ihre Kollegen der easyJet arbeiten. Billigairline sei deshalb nicht gleichbedeutend mit billigen Piloten.
Die Airlines in Europa seien gegenüber den Lowcost-Airlines und den staatlich subventionierten Fluggesellschaften aus der Golfregion in der Defensive. Ein Angriff auf die „gut organisierten Piloten“ scheine die naheliegende Lösung zu sein. Dabei würde vergessen, dass gerade die Organisation von Piloten in Berufsverbänden ein wichtiger Faktor für die Flugsicherheit sei. Die Piloten könnten sich auf den sicheren Transport ihrer Fluggäste konzentrieren, während sich der Verband um vertragliche Belange mit dem Arbeitgeber kümmere. Prioritär sollte vielmehr die Schaffung vernünftiger Rahmenbedingungen sein. Politische Restriktionen gegenüber dem überproportionalen Wachstum der Golf-Airlines wären ein Anfang, zum Beispiel durch stärkere Berücksichtigung der nationalen Interessen bei der Vergabe von Streckenrechten. „Ist es im Interesse der Schweiz, dass Emirates & Co. heute schon 39 wöchentliche Verbindungen aus der Schweiz anbieten, die SWISS aber nur eine tägliche an den Golf?“ fragt Markus Grob, Präsident der AEROPERS.
„Potential bestünde zudem in der Abschaffung politischer Hemmnisse mit denen sich die Europäischen Airlines auseinandersetzen müssen, wie ständig neuen Steuern und höheren Abgaben. Priorität sollte auch die Einführung sinnvoller und effizienter Strukturen im Bereich der Flugsicherung haben“ so Grob weiter.
Der Passagier habe Anspruch auf die versprochene Qualität. Auch Auslagerungen an billigere Anbieter seien der falsche Weg, wie der Unfall der für Alitalia fliegenden Carpat Air in Rom zeige. „Genauso wie man in einer Rindfleisch-Lasagne Rindfleisch vermutet, so erwartet man in einer Alitalia-Maschine auch Alitalia-Piloten. Gleiches erwarte man selbstverständlich auch von SWISS. Wo SWISS draufsteht, muss auch SWISS drin sein“, so Thomas Steffen.
Weltweit sei in den letzten Jahren eine Abwärtsspirale bei den Arbeitsbedingungen der Piloten zu erkennen, welche in Zukunft unweigerlich Auswirkungen auf die Passagiere habe. Pilotenverbände setzten sich für Sicherheit und Zuverlässigkeit in der Aviatik ein.
Aktionstag „Walkout for Safety“: Europas Piloten und Kabinenbesatzungen demonstrieren für Flugsicherheit und deponieren rund 100.000 Unterschriften gegen die geplanten neuen Flugdienstzeitregelungen bei der zuständigen Behörde.
In ganz Europa demonstrierten Piloten und Kabinenbesatzungen gegen die von der EASA (Europäische Agentur für Flugsicherheit) geplante Flugdienstzeitregelung. Die über 100.000 gesammelte Unterschriften gegen die geplanten Flugdienstzeiten wurden zu Handen des EU Verkehrskommissars Siim Kallas in Brüssel übergeben.
„Die EASA hat bei der Erarbeitung sicherer Flugdienstzeitregelungen versagt“, sagt Thomas Steffen, Pressesprecher des Pilotenverbandes AEROPERS. „Die Behörde ist beratungsresistent und hat die Chance verpasst, die Flugdienstzeiten auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse sicher zu gestalten.“ Steffen kritisiere weiter, dass die EASA stattdessen den Wünschen der Fluggesellschaften zu weit nachgegeben hätte. Kostenargumente seien vor die Passagiersicherheit gestellt worden. Die AEROPERS kritisiere vor allem die geplante Dauer von Nachtflügen. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegten, dass es bei Dienstzeiten von mehr als 10 Stunden zu gefährlicher Übermüdung komme. Dennoch sollten nach dem Willen der EASA 11 Stunden zur Regel werden. Weiterhin sollten die neue Regelungen Piloten gestatten Flugzeuge zu landen, nachdem sie schon mehr als 22 Stunden wach seien. „Man muss kein Wissenschaftler sein um zu verstehen, dass ein Mensch nach 22 Stunden nicht mehr ausreichend leistungsfähig ist um ein Flugzeug sicher zu landen.“ so Henning M. Hoffmann, Geschäftsführer der AEROPERS. Schon durch relativ kleine Änderungen könne man zu einer Regelung der Flugdienstzeiten kommen, die Übermüdung besser vermeidet. „ Wir appellieren an die Vernunft der Politiker. Sie müssen sich jetzt für sichere Flugdienstzeiten einsetzen.“, so Hoffmann.
Aufgrund bilateraler Abkommen würden die von der EASA herausgegebenen Regelungen auch für Fluggesellschaften in der Schweiz gelten und somit auch für deren Passagiere von Bedeutung sein.
Links:
www.swissalpa.net
www.aeropers.ch
www.flugdienstzeiten.ch
www.dead-tired.eu












































